SUSTAINABLE WINE SOUTH AFRICA (SWSA)

Biodiversität

Was ist Biodiversität?
Biodiversität bezieht sich auf alle Gene, Arten, Ökosysteme und Prozesse, die das Leben langfristig erhalten. Wenn die Biodiversität intakt ist, sind Arten und die Kreisläufe der Natur belastbar und können sich den Veränderungen der Umwelt besser anpassen. Wenn die Biodiversität bedroht ist und die natürliche Artenvielfalt verloren geht, reagiert die Natur unberechenbar und erschwert es Farmern, die natürlichen Ressourcen zu schützen und ihre Produktion zu planen.


The Biodiversity & Wine Initiative (BWI)
Das Cape Floral Kingdom (CFK) ist das kleinste aber mannigfaltigste Florenreich der Welt. Als globaler Hotspot für Artenreichtum und Südafrikas jüngstes Weltkulturerbe ist dieses Königreich der Pflanzen weltweit als solches anerkannt. Leider wird die Reichhaltigkeit des CFK durch eine intensive Landwirtschaft, eine ausgedehnte urbane Bebauung und eingeschleppte Pflanzenarten zunehmend bedroht. Weniger als 9 % des einzigartigen Renosterveld- und Lowland-Fynbos-Ökosystems sind verblieben, und ein großer Teil der Succulent Karoo ist ebenfalls bedroht. Da sich 80 % des CFK in Privatbesitz befinden, ist die Beteiligung der Landbesitzer am Naturschutz entscheidend für den Erhalt der weltweit einzigartigen und bedeutsamen Artenvielfalt des CFK.

Südafrika ist ein namhafter Weinproduzent und rund 90 % der Weine bzw. Trauben gedeihen in diesem botanischen Paradies, dem CFK. Aufgrund der Erfolge der südafrikanischen Weinwirtschaft seit 1994 stieg die Sorge, dass einige der meist gefährdeten natürlichen Lebensräume zukünftig einem expansiven Weinbau zum Opfer fallen könnten. Nach einer ersten Studie der Botanical Society of South Africa und der Conservation International schlossen sich jedoch die Weinwirtschaft und die Naturschützer zu einer Partnerschaft zusammen, um die Artenvielfalt des CFK dauerhaft zu bewahren. Eine wahrhaftig vorbildliche Pionierleistung.

Aufgrund ihrer Erfolge wurde sie inzwischen in die südafrikanische Sektion der globalen Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) eingegliedert.


Um Mitglied bei der BWI zu werden, müssen die Landwirte in ihren Betrieben mindestens zwei Hektar Landfläche ausweisen und die ursprüngliche Flora und Fauna wieder renaturieren und schützen. Diese Fläche wird langfristig unter Naturschutz gestellt. Die Mitglieder müssen das nachhaltige Integrated Production of Wine (IPW)-Programm erfolgreich umsetzen. Die Mitglieder haben möglicherweise noch nicht alle nötigen Maßnahmen zum Erhalt des Biodiversität eingeführt, wie beispielsweise die langwierige Abholzung eingeschleppter Pflanzen, die Kontrolle der Bodenerosion oder die Renaturierung von  Feuchtgebieten und Flüssen oder das Feuer-Management. Aber sie haben einen transparenten Zeitplan erstellt, der die Umsetzung dieser Maßnahmen vorsieht. BWI-Mitglieder verpflichten sich, die ausgewiesene Fläche zu schützen und sie entsprechend zu pflegen, sie aber nie mehr landwirtschaftlich oder weinbaulich zu nutzen.

BWI-Champions sind wahrhaftig vorbildliche Produzenten, die eine herausragende Führungsrolle zum Schutz der Biodiversität einnehmen. Diese Betriebe sind in der Branche als Flaggschiffe anerkannt. Sie haben große Flächen ihres Farmlandes unter Naturschutz gestellt und setzen – gemeinsam mit engagierten Mitarbeitern – einen langfristigen Managementplan um, zur Schaffung und zum Erhalt intakter natürlicher Lebensräume. Die Verbesserungsmaßnahmen sind aufwändig und kostenintensiv. Sie roden immer wieder fremde Pflanzenarten, gewährleisten großflächiges Feuermanagement und dokumentieren ihr Engagement zur Förderung eines langfristigen Naturschutzes. Selbstverständlich haben BWI-Champions die externe Nachhaltigkeitsprüfung für ihr Weingut erfolgreich gemeistert.

Die Resonanz und die Auswirkungen der BWI in den Weinanbaugebiete am Kap sind phänomenal. Gegen Ende 2011 umfasste die BWI 22 Champions, 16 Weinkellereien sowie 178 Weingüter. Gemeinschaftlich wiesen sie freiwillig und ohne staatliche Subventionen 131.399 Hektar ihres Landes als Naturschutzfläche aus. Das entspricht einem Äquivalent von 130 % der gesamten Ertragsrebfläche Südafrikas von rund 100.000 Hektar. Somit stehen in Südafrika je Hektar Rebfläche rund 1,3 Hektar geschütztes Naturland gegenüber. Dank zahlreicher Umweltpreise und den Erfolgen gilt die BWI international als Vorbild für Kooperationen zwischen Naturschützern und Landwirten. Das Team berät inzwischen auch andere Weinbauländer, wie sie ihre bedrohten Flächen schützen und wie sie den Erhalt von Artenvielfalt strategisch nutzen können, um sich dem Klimawandel anzupassen.

Richtlinien zum Schutz der Biodiversität und nachhaltiger Weinerzeugung (IPW)

Der wichtigste Grundsatz der nachhaltigen Weinerzeugung (IPW) und der Biodiversity & Wine Initiative (BWI) lautet, dass die Weinerzeugung in Harmonie mit der Natur erfolgen soll.  

Die Nachhaltigkeitskriterien für Weinbaubetriebe berücksichtigten alle Aspekte der Kultivierung. Das umfasst sowohl die standortbezogene Auswahl der Rebsorten, die Anlage eines Weinberges, Bewässerung, Pflanzenschutz, Düngung, Rebschnitt, Laubarbeit und Bodenbearbeitung zzgl. natürliches Ressourcenmanagement.

Dank der zunehmenden Erfahrungen der BWI stellte man fest, dass das Kapitel 2 „Schutz und Verbesserung des Farm und der Weinberge” nicht weitreichend genug gefasst war. Spezifische Themen, wie z. B. das Aussterben des Renosterveld oder Lowland Fynbos wurden nicht berücksichtigt. Es fehlte auch der Hinweis auf die Notwendigkeit eingeschleppte Pflanzenspezies zu eliminieren, da sie die ursprüngliche heimische Vegetation bedrohen und einen für südafrikanische Verhältnisse viel zu hohen Wasserverbrauch haben. Dieses Kapitel wurde gemeinsam mit den Naturschützern optimiert und auf den aktuellen Wissenstand gebracht. Als sogenannte Biodiversitäts-Richtlinien sind sie nun seit 2005 als offizielle Handlungsanweisungen in das Nachhaltigkeitsprogramm IPW integriert.

Das bedeutet, dass alle Weinerzeuger, die sich für eine nachhaltige Weinerzeugung zertifizieren lassen möchten, die Richtlinien zum Schutz der Biodiversität umsetzen müssen. Für den Farmer hat die BWI hat ein Selbsteinschätzungsformular mit 40 Fragen geschaffen. Anhand dessen kann er evaluieren, in welchen Bereichen er seinen betrieblichen Naturschutz verbessert kann.

Weitere Informationen erhalten Sie hier: www.ipw.co.za